STADTGEMÜSE: 100-Tages-Bilanz

Seit März dieses Jahres gibt es STADTGEMÜSE. Bei dem Urban-Farming-Projekt in der HafenCity geht um mehr als um das Ernten von frischem Gemüse, es geht vor allem um Integration. Der offene Gemüsegarten gegenüber der Flüchtlingsunterkunft in der Kirchenpauerstraße im Baakenhafen will die nachbarschaftliche Gemeinschaft fördern sowie den Austausch zwischen Geflüchteten und Einheimischen stärken. Projektleiter Oscar Jessen (im Bild oben) erzählt im Gespräch über erste Erfahrungen.

Wie ist das Projekt STADTGEMÜSE angelaufen?

Das Projekt ist sehr positiv angelaufen. Dank der Arbeit von vielen Freiwilligen und Helfern standen im Mai berei 22 Hochbeete, und es konnte schnell angefangen werden zu pflanzen. Das Projekt wurde zuerst von den Kindern erobert, und nach und nach kamen dann die Erwachsenen dazu. Mittlerweile hat sich eine Gruppe an Leuten gebildet, die auch abseits des Projektes gemeinsam Zeit verbringt.

Lief alles so, wie es geplant war?

Der gesamte integrative Teil kam ja erst nach der Wahl des Standortes hinzu. Dementsprechend musste unsere Strategie mehr auf ein soziales Gärtnern und nicht mehr auf ein Output-orientiertes Gärtnern umgestellt werden. Zudem hatten wir am Anfang Probleme mit dem Wachstum der Pflanzen, aufgrund von Trockenheit und zu wenig Nährstoffen im Boden.

Was hast du in den vergangen Monaten in Sachen Gärtnern dazugelernt?

Ich habe mittlerweile gelernt, dass der Boden eigentlich das Wichtigste ist, wenn es ums Gärtnern geht. Der Beetaufbau wird sich über die Zeit positiv auswirken. Aber gerade die oberste Schicht muss von sehr hoher Qualität sein, damit die Pflanzen so wachsen, wie man es möchte. In Zukunft werde ich keine 60 cm Bodenschichten mehr in einem Beet haben wollen, sondern nur noch 20 cm Oberboden.

Was gefällt dir an dem Projekt?

Sehr positiv ist die Stimmung innerhalb der Community und wie wenig Konfliktpotenzial das gemeinsame Gärtnern bisher bringt.

Was war für dich bis jetzt der schönste Augenblick bei STADTGEMÜSE?

Uns wurde letztens berichtet, dass erst seit den Hochbeeten die Leute aus den Containern kommen und auch mal gemeinsam Zeit verbringen. Außerdem war es sehr schön von einer Flüchtlingshelferin zu hören, dass ein älterer Mann aus Eritrea sehr unglücklich nach Deutschland gekommen ist und mittlerweile durch sein Engagement beim Gärtnern wieder ein Hobby gefunden hat, das ihn glücklich macht.

Was wünscht du dir, bezüglich des Projekts, für die Zukunft?

Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Interessierte aus Hamburg, speziell aus der Hafencity, vorbeikommen, damit die Geflüchteten mehr Kontakt zu Einheimischen bekommen. Oftmals haben die Menschen aus der Unterkunft ganz einfache Fragen, wie „Wo finde ich einen Fußballverein?“, ,,Wie komme ich an einen Praktikumsplatz?“ oder „Wie verstehe/beantworte ich ein Schreiben vom Amt?“. Die fehlenden Orts- und Sprachkenntnisse bereiten ihnen große Probleme. Doch diese Barrieren können gemeinsam oft sehr schnell gelöst werden. Kontakt und Interaktion mit Einheimischen ist meiner Meinung nach der Schlüssel für eine gelungene Integration in unsere Gesellschaft.

 

Machen Sie mit bei STADTGEMÜSE!

Helfende Hände und Garteninteressierte sind in unserem Stadtgarten immer willkommen! Wir sind jeden Dienstag von 15.30 bis 18.00 Uhr und jeden Donnerstag von 17.00 bis 19.00 Uhr vor Ort und freuen uns auf Ihren Besuch!

Unser Garten befindet sich in der Hafencity direkt gegenüber der Flüchtlingsunterkunft in der Kirchenpauerstraße. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen Sie uns mit der Buslinie 111, diese hält an der nahe gelegenen Haltestelle „Baakenhöft“ oder mit der U4, hier nehmen Sie die Haltestelle „HafenCity Universität“.

Wer sich nicht vor Ort engagieren möchte oder kann, der kann uns in Form einer „Beetpatenschaft“ finanziell unter die Arme greifen. Als Beetpate übernimmt man die Materialkosten für ein Hochbeet, die bei 100 Euro liegen.

Wer Interesse an einer Beetpatenschaft hat, meldet sich gerne bei unserem STADTGEMÜSE-Projektleiter Oscar Jessen: oscar.jessen[at]posteo.de, Tel. 0172-6144261

Ihre Ansprechpartner bei der Stiftung WAS TUN!
Dr. Andreas Pense, a.pense[at]wastun.net, Tel. 0172-4110399
Lars Warrelmann, l.warrelmann[at]wastun.net, Tel. 0172-4161601

 

Daniela Höpfner

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